Bei den letzten Leuchtabenden gab es einige Freu-Falter. Warum ich mich über welche Art gefreut habe, zeige und erzähle ich gerne.

Ich beginne mit einem Kleinschmetterling, Ancylis unculana (HAWORTH, [1811])
Der Falter ist extrem flink und hat sich regelmäßig meinen Versuchen entzogen, ihn zu fotografieren. Nun ist es endlich gelungen! Leider fehlt mir die Erfahrung über Lebensweise und Habitatansprüche bei uns im Norden. So bleibt erstmal nur die Freude.

 

Ich hatte auch meine erste Begegnung mit der Erlen-Rindeneule Acronicta alni (LINNAEUS, 1767) Die Raupen dieser Art sind besonders auffällig. Als Jungraupe imitieren sie Vogelkot, als ausgewachsene Raupen ähneln sie einer gelb-schwarzen Ringelsocke mit abstehenden Fäden. Sie ernähren sich von den Blättern vieler Laubbaumarten.

Die Roseneule Thyatira batis (LINNAEUS, 1758) ist ein Freu-Falter für mich, weil ich sie schlicht und einfach schön finde. Ich freue mich jedes Jahr darauf, sie zu sehen. Bei frisch geschlüpften Faltern sind die deutlich erkennbaren Punkte am Rand deutlich rosa gefärbt. Auf Fotos ist das leider oft nicht erkennbar. Die Raupen dieser Art ernähren sich von verschiedenen Rosengewächsen.

 

Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Ganz besonders habe ich mich über den hier im Norden sehr seltenen Kleinen Berberitzenspanner Pareulype berberata ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) gefreut. Walter Baltruweit hatte mich schon bei unseren ersten Treffen gebeten, besonders auf diese Art zu achten, als er die damals noch recht zahlreichen Berberitzenhecken in der Nachbarschaft sah. Kaum 10 Jahre später kann ich mich jetzt über diesen Fund freuen!

 

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Ich nutze das schlechte Wetter, um euch eine weitere Frühlingsart vorzustellen: die Geißblatt-Eule Xylocampa areola (ESPER, 1789) ich hatte sie vor wenigen Tagen am Licht. Hier finde ich die Falter von Mitte März bis in den späten April.

Da ich Geißblatt im Garten habe, konnte ich auch die Raupen dokumentieren. Wie winzig die frisch geschlüpften Raupen sind, kann man sich vorstellen wenn man sie in Relation zu den feinen Härchen an den Blättern des Geißblatts zu setzt.

Die älteren Raupen sind an den verholzten Stielen der Raupennahrungspflanze perfekt getarnt.

Erst wenn man den Zweig etwas dreht, erkennt man die Beine der Raupe. Zwischen Ende April und Ende Mai habe ich die meisten Larvalstadien in meinem Garten gefunden.

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Ein weiterer Frühlingsbote ist die kleine Kätzcheneule Orthosia cruda ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775).

In diesem Fall verwirrt mich der deutsche Name nicht, die Falter sind mit einer Flügelspannweite von unter 30 Millimetern recht klein. Ihre Flugzeit deckt sich so ziemlich mit der Weidenblüte, der Hauptnahrungsquelle der Falter.

Manche Tiere sind recht unscheinbar gefärbt, andere sehr ausgeprägt. Am Licht sind an einem Abend durchaus an die Hundert Individuen nachweisbar, auch am Köder kann man sie zahlreich finden.

Die Männchen haben kammartige Fühler. Damit wird die Oberfläche vergrößert, die weiblichen Sexuallockstoffe können dadurch besser wahrgenommen werden.

Die erwachsenen Raupen kann man in mehreren Farbvarianten finden. Sie fressen an vielen verschiedenen Baum- und Straucharten.

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Trotz immer noch ziemlich kalter Nächte sind endlich die ersten Frühlingsboten auf den Flügeln. Der Frühlings-Kreuzflügel Alsophila aescularia ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER] gehört zur Familie der Spanner. Auffällig ist die für Spanner untypische Flügelhaltung, die sich in dem deutschen Namen widerspiegelt.

Die Weibchen der Art haben keine Flügel. Sie schlüpfen aus ihren Kokons im Erdreich, klettern an Laubgehölzen empor und werden von den Männchen begattet. Die Eier werden spiralförmig um dünne Äste gelegt und anschließend mit Haaren des Hinterleibs bedeckt.

Die Männchen sind tagsüber auf Ästen und Zweigen gut getarnt. Sie haben nur einen rudimentären Saugrüssel, mit dem sie keine Nahrung aufnehmen können. Sind die als Raupe angefressenen Fettreserven verbraucht, stirbt der Falter.

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Vor einigen Tagen bekam ich einige Fotos eines Wicklers zugeschickt, den Falter konnte ich als Mittelmeer-Nelkenwickler Cacoecimorpha pronubana (HÜBNER, [1799]) bestimmen. Geschlüpft war das Tier in der Wohnung, eingeschleppt mit einer Zierpflanze.

Erstaunlicherweise habe ich diese Art über mehrere Jahre sogar im Freiland, in meinem Garten nachweisen können. Im Dezember 2006 seilten sich bei gerade mal +2° C einige kleine Raupen vor meinem Wohnzimmerfenster ab. Natürlich musste ich herausfinden, wo sie her kamen.

Nach längerer Suche entdeckte ich mehrere zusammengesponnene Rosenblätter, in denen ich nach vorsichtigem Öffnen weitere Raupen fand. Diese habe ich durchgezüchtet, um herauszufinden, um welche Art es sich handelt. Überraschenderweise war es der Nelkenwickler, von dem angenommen wurde, dass er im Freiland in Norddeutschland nicht überwintern kann. Seitdem habe ich die Art jedes Jahr in meinem Garten finden können. Der bisher letzte Nachweis gelang mir 2015. Sogar im Tävsmoor und im Bokelsesser Moor kamen diese Wickler ans Licht. Das Nahrungsspektrum der Raupen ist extrem vielfältig, bei mir im Garten waren es Rose, Lavendel, Knöterich, Kletterhortensie und Nelke. Es sind aber zahlreiche weitere Raupennahrungspflanzen bekannt

Die Art kann in Gewächshäusern oder an Innenraumbegrünungen erheblichen Schaden anrichten. Unter den dort vorherrschen Bedingungen sind bis zu 5 Falter-Generationen im Jahr möglich, die dann auch für zahlreiche hungrige Raupen sorgen.

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Das wünsche ich euch allen von Herzen.

Ein ganz besonderer Dank gilt den lieben Helfern bei den öffentlichen Leuchtabenden, ohne euch wären sie gar nicht durchführbar. Danke auch für die Gastbeiträge hier in diesem blog, ich übernehme sie sehr gerne.

Ich freue mich auf viele schöne Begegnungen in 2017!

Eure Birgitt

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Jetzt im November kann man nicht nur den Großen Frostspanner und den kleineren Verwandten, den Kleinen Frostspanner beobachten. Es ist gerade die Hauptflugzeit der Kleinen Pappelglucke Poecilocampa populi (LINNAEUS, 1758) Die Flugzeit der Art geht bis in den Januar hinein, die einzelnen Individuen leben aber nicht lange.

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Sie verfügen noch über eine Rüsselscheide, besitzen aber keinen Saugrüssel und können deshalb auch keine Nahrung zu sich nehmen. Daher leben sie auch nur wenige Tage. Die Tiere sind äußerst robust, fliegen auch bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Ihre dichte Behaarung schützt sie vor Kälte.

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Die Weibchen sind leicht an den fadenförmigen Fühlern zu erkennen. Die Männchen besitzen stark gefiederte Fühler, die hoch sensible Riechorgane sind, mit denen sie die weiblichen Sexuallockstoffe, die Pheromone wahrnehmen.

Die Raupen der Kleinen Pappelglucke ernähren sich von den Blättern verschiedener Laubbaumarten. Ähnlich wie bei den Frostspannern überwintert die Art als Ei, die Raupen schlüpfen im Frühjahr, wenn die Bäume beginnen auszutreiben.

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Heute stelle ich drei Eulenfalter vor, die typisch für die Jahreszeit sind und durch ihre Farbe und Zeichnung tagsüber besonders gut getarnt sind, wenn sie sich an mit Flechten besetzten Baumstämmen verstecken.

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Die Weißdorn-Eule Allophyes oxyacanthae (LINNAEUS, 1758) ist eines der drei Beispiele. Anders als der deutsche Name vermuten lässt, fressen die Raupen nicht nur an Weißdorn, sondern auch an den Knospen und Blättern verschiedener Obstbäume. Mir ist aber nicht bekannt, dass sie in so großer Zahl auftreten, dass sie Schäden an den Kulturen verursachen.

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In der Literatur wird als Lebensraum der Grünen Eicheneule Griposia aprilina (LINNAEUS, 1758) trockener, sonniger Eichenwald genannt. Davon haben wir in Schleswig-Holstein nicht viele. Die Bedingungen erfüllen aber ganz offensichtlich unsere Knicks. Die säumen Wege und Felder in den unterschiedlichsten Habitaten, die Art lässt sich also im ganzen Land nachweisen.

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Die Olivgrüne-Eicheneule Dryobotodes eremita (FABRICIUS, 1775) bevorzug das gleiche Habitat wie die Grüne Eicheneule. Auch sie kommt bei uns in Schleswig-Holstein gut mit Eichen bestandenen Knicks zurecht.

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Im Herbst kann man noch viele bunte Nachtfalter beobachten. Viele haben sich der farbenfrohen Färbung der Blätter angepasst. Ein Beispiel dafür ist Xanthia togata (ESPER, [1788]), die ich in einem früheren Beitrag schon vorgestellt habe.

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Die Achateule Phlogophora meticulosa (LINNAEUS, 1758) fliegt im Herbst schon in zweiter Generation. Diese Art überwintert als Raupe. Selbst bei wenigen Grad über Null kann man die Raupen fressend an krautigen Pflanzen beobachten.

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Dies ist ein Eigelege vom Zimtbären Phragmatobia fuliginosa (LINNAEUS, 1758) . Man kann es an krautigen Pflanzen finden, aber auch an Brombeeren und weiteren Pflanzen.

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Aus den Eiern schlüpfen die sogenannten Eiraupen, deren erste Nahrung ihre Eihülle ist.

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Erst bei älteren Raupen erkennt man die dichte Behaarung, die an ein Bärenfell erinnert. Sie ist auch namensgebend für die Familie der Bärenspinner.

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Hier habe ich den Falter in untypischer Haltung fotografieren können. Man erkennt gut den rötlichen Körper des Tieres. Eine Warnung an alle Fressfeinde: ich bin ungenießbar.

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Besonders gefreut hat mich die Linden-Gelbeule Tiliacea citrago (LINNAEUS, 1758) . Es ist mein erster Nachweis, seit ich mich mit Nachtfaltern beschäftige. Das sind immerhin schon 10 Jahre. Die Art steht in Schleswig-Holstein auf der Vorwarnliste.

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Ein Gastbeitrag von Marco Sommerfeld

Am Mittwoch, den21.09.2016 luden Birgitt Piepgras und ich, Marco Sommerfeld (NABU Hamburg) zum dritten Mal um 20:00 Uhr zu einem Leuchtabend für Nachfalter an die Carl Zeiss Vogelstation in die Wedeler Marsch ein. Es kamen 15 Teilnehmer und erfreuten sich an den vielen bunten Nachtfaltern des Herbstes. Birgitt Piepgras erläuterte auf anschauliche Weise und mit tollen Erklärungen die Nachtgestalten, die ansonsten dem Naturfreunden eher unbekannt waren und sensibilisierte für deren Schutz.

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Häufige Arten wie Messingeule und Gammaeule waren die ersten Falter, die den sehr interessierten Teilnehmern gezeigt wurden. Insgesamt konnten in knapp zwei Stunden zwölf verschiedene Nachfalterarten und ein großer Kolbenwasserkäfer bestimmt werden. Es war für die Jahreszeit typisch, dass nur wenige Falter von dem Leuchtmittel angezogen wurden, aber fast jeder angeflogene Falter war eine neue Art.

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Zum Ende der Veranstaltung gab es als Highlight den sehr hübschen Zimtbär, der auch fotografiert wurde. Zudem wurde eine Linden-Gelbeule bestimmt, die für die Marsch doch eher ungewöhnlich war, da es in unmittelbarer Nähe kaum Linden gibt. Die vielen Fledermäuse, die über unseren Köpfen permanent nach Nahrung jagten, rundeten diesen schönen lauen Herbstabend ab. Alle Teilnehmer traten glücklich die Heimreise in der Dunkelheit der Elbmarsch an und freuen sich auf die Fortsetzung der Leuchtabende im Jahr 2017.

Alle Fotos:Thomas Dröse

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